In meinen 40 Lebensjahren habe ich einiges an Aktivitäten versucht, um meinen Körper einigermaßen fit zu halten – und das meiste gleich wieder verworfen. Sei es Jogging, Radfahren, Fitnessstudio oder sogar weniger anstrengende Methoden wie Nordic Walking, irgendwie konnte ich mich (als bekennender Sportmuffel) zu nichts davon aufraffen, geschweige denn regelmäßig durchziehen. Bis ich vor 13 Jahren meine ersten Yogastunden hatte … und hängenblieb. Yoga hat es irgendwie geschafft, meine Bewegungsfreude zu wecken, und heute weiß ich warum: Yoga bewegt und verändert viel mehr als nur den Körper!

Natürlich veränderte Yoga mein Leben nicht gleich nach der ersten Einheit. Der Körper passt sich zwar schnell an, wird straff und die Kilos purzeln automatisch bei regelmäßiger Yogapraxis … aber die tiefgreifenden Wirkungen auf die subtileren Ebenen des Menschen beginnen sich erst mit der Zeit zu entfalten:

Körperbewusstsein und Essverhalten

Beginnen wir beim physischen Körper: Die wohl am schnellsten spürbare Wirkung von regelmäßiger Yogapraxis ist am im wahrsten Sinn des Wortes am eigenen Leib zu beobachten. Dreimal die Woche Yoga stärken die Muskeln, straffen das Gewebe und machen den Körper schlank und fit. Doch Asanas (die bekannten Körperhaltungen im Yoga) haben darüber hinaus eine tiefergehende Wirkung: Sie lösen energetische und emotionale Blockaden und bei regelmäßiger Anwendung verändert sich langsam die geistige Ausrichtung. Ich war von Kindheit an bekennender Fleischfresser und habe Gemüse eher am Tellerrand liegen lassen. Über die Jahre bin ich langsam zum Vegetarier mutiert; teils aus ethischen Gründen, teils auch weil ich die Energie, die ich über pflanzliche Nahrung aufnehme, als viel intensiver und wertvoller wahrnehme. Eine Wandlung, die ich größtenteils auch Yoga zuschreibe. Darüber hinaus ist mein Verlangen nach Süßigkeiten in den letzten Jahren enorm zurückgegangen. Ich führe das auf das gesteigerte Körperbewusstsein und das Einheitsgefühl von Körper, Geist und Seele zurück, das sich durch Yoga entwickelt hat.

Achtsamkeit und Intuition

Yoga bringt dich näher zu dir selbst. Man lernt, seinen Körper zu beobachten, wahrzunehmen und zu bewegen, die Aufmerksamkeit wird immer wieder nach innen gelenkt und man beginnt immer mehr, sich seiner selbst bewusst zu werden. Seitdem ich regelmäßig praktiziere, habe ich mich sehr viel besser kennen gelernt. Ich fühle mich viel mehr als zuvor auf allen Ebenen verbunden (physisch, mental, emotional und seelisch) und meine Intuition hat sich enorm verbessert; ich kann mich zu jeder Zeit voll und ganz auf mein „Bauchgefühl“ verlassen anstatt nachzugrübeln und zu analysieren. Meine Intuition, die direkt mit der Seelenebene verbunden ist, zeigt mir den richtigen Weg.

Selbstreflexion und persönliche Weiterentwicklung

Durch Yoga beginnst du, alte Muster in dir zu hinterfragen und loszulassen. Verhaltensweisen, die wir aus der Kindheit von unseren Eltern übernommen haben, oder Prägungen, die wir uns aus Erfahrungen unbewusst angeeignet haben, bleiben meist ein Leben lang in uns verhaftet. Yoga hat mich gelehrt mich selbst aus etwas Distanz zu betrachten, mein Ego von meinem wahren Ich zu trennen und Emotionen wertfrei zu beobachten und anzunehmen. Ich habe begonnen zu verstehen, warum ich auf gewisse Situationen in bestimmter Weise reagiere und kann heute immer mehr gelassen annehmen, wenn jemand sich mir gegenüber nicht so verhält, wie ich es mir erwarte oder wünsche.

Akzeptanz und Dankbarkeit

Im Hier und Jetzt leben anstatt in Erinnerungen zu schwelgen oder sich phantasievollen Zukunftsvisionen hinzugeben; das ist leichter gesagt als getan. Unser Geist springt ständig zwischen Vergangenem und Wunschvorstellungen hin und her, wir schwanken zwischen „hätte ich doch“ und „was wäre wenn“, anstatt die Gegenwart genauso anzunehmen, wie sie sich uns präsentiert … und dabei haben wir sie selbst so erschaffen, wie sie im Moment ist. Durch Yoga habe ich gelernt, jede Situation dankbar anzunehmen, gerade weil sich die größten Schwierigkeiten immer als Chance zur persönlichen Weiterentwicklung anbieten. Auch bin ich dankbar für das, was ich habe, anstatt dem hinterherzujagen, von dem ich glaube, dass es mich glücklicher machen könnte.

Optimismus und ganzheitliches Wohlbefinden

Eine positive Grundausrichtung und Vertrauen, in alles was kommt – das ist für mich mit Abstand die größte und beste Veränderung, die ich erfahren habe. Als junger Mensch war ich ständig von Ängsten aller Art begleitet, ein sorgenvoller Ausblick in die Zukunft inklusive. Inzwischen habe ich meine Einstellung dem Leben gegenüber komplett umgekrempelt, ich weiß, das alles seinen Sinn hat und zur rechten Zeit zu mir kommt. Ich kann loslassen, das Leben genießen und fühle mich in Verbindung mit allem. Und Yoga hat hierbei einen großen Beitrag geleistet.

In diesem Sinne..Namaste! 🙂